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ESSEN.
MITTENDRIN.

Von Monstern lernen

Essener Medienprojekt macht Schule

"Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir", das wusste Seneca schon vor knapp 2.000 Jahren. Was er da noch nicht ahnte, war, wie das Leben eines Schülers so viele Jahre später aussehen würde. Dass die zu lernenden Schriften mal auf digitalen Medien gelesen werden würden, die unendliche Möglichkeiten bieten und ebenso viele Gefahren bergen, hat er sich sicher nicht ausgemalt. Um genau diese Möglichkeiten und den verantwortungsvollen Umgang mit der digitalen Welt kümmern sich in Essen seit einiger Zeit die MedienMonster.

In Zeiten der permanenten Vernetzung, in denen ein Großteil der Grundschüler bereits ein Online-Leben hat, ist es umso wichtiger, dass Kinder und Jugendliche frühzeitig für einen bewussten Umgang mit sämtlichen Aspekten der digitalen Medien sensibilisiert werden. Dabei ist es gar nicht das Ziel, sie alle zu kleinen Informatikstudenten heranzuziehen, es geht viel mehr darum, dass sie lernen, dass Bilder nicht immer die Wahrheit zeigen, dass es Konsequenzen hat, sie einfach ins Netz zu stellen, wie ein Passwort beschaffen sein muss, damit es wirklich schützt. Über diese wichtigen Aspekte hinaus vermitteln die MedienMonster aber auch die großartigen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters: zum Beispiel wie man eine Tagesschau dreht oder ein Hörspiel produziert. Denn nur wer weiß, wie unsere täglich konsumierten Medien entstehen, kann sie auch reflektieren und einschätzen.


Donnerstagnachmittag in der Bischof von Ketteler-Grundschule in Bochold:
"Wie viele Zeichen braucht ein sicheres Passwort?" – Die kleinen Köpfe rund um den Tisch rauchen ein bisschen, die Lehrerinnen wissen es auch nicht so genau. Marc Velten spielt dazu auch noch nervenaufreibende Quiz-Show-Musik. Das finden die Kinder besonders cool. Jeder gibt eine Schätzung ab, denn wissen können es die Viertklässler aus dem Offenen Ganztag noch nicht. Sie kommen freiwillig hierher, denn einmal pro Woche lernen sie hier mit Marc Velten von den MedienMonstern spielerisch, was sie im Umgang mit Smartphone, Tablet und Co. besser wüssten. Und auch die Lehrer kommen freiwillig, denn sie können später mit den bereitgestellten Arbeitsblättern selbst Teile in ihren Unterricht integrieren.

"Heute ist es ein bisschen theoretisch", entschuldigt sich Marc bei Kindern und Lehrern und teilt ausnahmsweise Arbeitsblätter aus. Aber man kann ja nicht jede Woche coole Fotos vor dem Green Screen schießen und die Kinder dann mit einem Mausklick vor kuriose Kulissen stellen. Sein Kollege Maik Seehöfer schaut ihm heut noch einmal über die Schulter, zukünftig wird er selbst Projekte leiten.

Heute lernen die Kinder, ein gutes Passwort zu erstellen. Dafür kringeln sie zunächst erste und letzte Buchstaben einer Liedzeile ein. Warum Passwörter wichtig sind? "Damit andere nicht an Dein Handy können", weiß Francis. Und noch viel wichtiger, "damit meine Schwester nicht an mein Spiel geht", berichtet Leonie. Wäre ja auch ärgerlich, wenn die mühsam erkämpften Level von kleinen Geschwistern ins Game Over manövriert würden. An schwerwiegendere Schäden, zum Beispiel beim Online-Banking, wird hier noch gar nicht gedacht.

Dennoch sind Alexander, Justine und die anderen ganz emsig dabei, Sonderzeichen zu finden und Buchstabenkombinationen mit Hilfe einer Karte zu erwürfeln. Jungs wie Mädels gleichermaßen, denn wenn es darum geht, Eigentum – sei es auch nur virtuell – gegen Geschwister und Schulkollegen zu schützen, sind sie alle dabei. Dass sie auch in ihrer Freizeit mit Zahlen und Buchstaben jonglieren sollen, stört keinen von ihnen. Im Gegenteil, es werden sogar mehr Passwörter erstellt als gefordert. Und das belohnende Kaubonbon zum Abschied nehmen auch alle gern mit. Drei Wochen bleiben sie dem Thema "Passwörter" treu, drei bis neun Monate arbeiten die MedienMonster insgesamt mit einer Gruppe.

Ins Leben gerufen wurde MedienMonster e.V. 2015 vom in Rüttenscheid beheimateten Unternehmen Adacor. Für die IT-Firma ist medienkompetenter Nachwuchs in jeder Hinsicht ein Muss. Zahlreiche Partner in Essen sehen das genauso und greifen ihnen auf verschiedenste Weise unter die Arme: finanziell, mit Know How oder Ressourcen. So stellt die Jugendhilfe zum Beispiel den Kontakt zu Schulen her, die K+S Studios helfen in Technikfragen, der Chaos Computer Club, die Ehrenamt Agentur und viele weitere bringen sich ein.

Auf Radio Essen erhalten die MedienMonster im Herbst 2017 ein Zeitfenster für ein Hörspielprojekt mit der Grundschule Überruhr. "Mama, guck mal, ich hab in der Schule ein Bild gemalt!" war dann gestern, bald heißt es "Mach mal das Radio an, dann kannst Du hören, was wir heut in der Schule gemacht haben!"

Und für alle Eltern, Großeltern, Lehrer, die bei all den Fragen und Aktivitäten ihrer Kinder in der digitalen Welt nicht den Überblick verlieren wollen, bieten die MedienMonster zukünftig eine Anlaufstelle in der realen Welt an. In ihren Räumlichkeiten in der Emmastraße soll es demnächst die Möglichkeit einer offenen Sprechstunde geben.
Und weil’s in Essen bislang so erfolgreich läuft, treiben die MedienMonster bald auch andernorts ihr Unwesen, immer auf der Suche nach Schulen, Partnern und neuen Projekten.

Mehr über die Projekte der MedienMonster erfahren Sie auf www.medienmonster.info

nis