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ESSEN.
MITTENDRIN.

Fanta für Mami Wata

Die Magie des Voodoo

In einer Dreizimmerwohnung in einem normalen Wohnhaus auf der Rüttenscheider Straße ist die afrikanische Seele zuhause. In seinem europaweit einzigartigen Soul of Africa-Museum hat der Ethnologe und Fotojournalist Henning Christoph hunderte Skulpturen und Objekte zusammengetragen, die von dem Zauber Westafrikas und dem Zauber des Voodoos zeugen. Wohin man auch sieht, hier gibt es kaum eine Ecke, die leer ist. Fast jeder Zentimeter wird als Ausstellungsfläche genutzt , so dass die Besucher unmittelbar nach dem Betreten der Wohnung ganz und gar in die Welt des Voodoos eintaucht.

Mit Voodoo sind hier allerdings nicht die mit Nadeln zerstochenen Püppchen gemeint, die man sich landläufig darunter vorstellt. "Das ist nur das Bild, das Hollywood mit seinen Horrorfilmen aus dem Kult gemacht haben", sagt Christoph. Voodoo sei vielmehr ein Heilsystem einer 4.000 Jahre alten Naturreligion, das man für positive als auch für negative Zwecke nutzen kann. In der Praxis wird Voodoo zu 85 Prozent zu Heilungszwecken genutzt, nur 15 Prozent entfallen auf die Schadensmagie.

Ein Schaden gegen jemanden darf nur dann ausgesprochen werden, wenn die Strafe auch gerechtfertigt ist. Wer vor seiner Haustür eine abgehackte Hahnenkralle oder eine Schlange in der Flasche findet, sollte sich auf jeden Fall fragen, wem er Unrecht getan hat oder Geld schuldet und dies schnellstens in Ordnung bringen.

Zu solchen Geschichten, die Christoph im Rahmen seiner Führungen zuhauf erzählt, hat er immer auch das entsprechende Exponat zur Hand. Die umfangreiche Sammlung wertvoller Artefakte dokumentiert in einzigartiger Weise die komplexe Welt des Voodoo mit seinen immerhin 401 Göttern. "In all den Jahren kamen immer mehr Exponate zu mir. Einige davon auch, um sie beispielsweise vor militanten Andersgläubigen zu schützen", sagt Christoph, der sich inzwischen seit mehr als 40 Jahren mit der Erforschung afrikanischer Riten beschäftigt, mehr als 200 Mal in Afrika war und seine Erfahrungen in Fotografien, Filmen und Büchern festgehalten hat. Regelmäßig reist er nach Afrika und kommt mit neuen Objekten und neuen Geschichten zurück.

Inzwischen hat der Ethnologe es sich angewöhnt nicht alles zu hinterfragen, da manche Dinge rational einfach nicht zu erklären sind: "Vieles würde ich selber bezweifeln, wenn ich nicht die Bilder und Filmaufnahmen davon gemacht hätte", sagt Christoph.

Eine besonders faszinierende Geschichte ist die eines jungen Mannes, von dem ein böser Gott Besitz ergriffen hatte, was zu einer schweren Erkrankung führte. Die Voodoo-Zeremonie versetzt ihn zunächst durch Trommeln in Trance. Anschließend wird ihm ein Messer kompeltt durch den Kopf gestoßen, wie ein Foto in der Sammlung zeigt.

Nachdem das Messer herausgezogen wurde, erzählt Christoph, wurden die Wunden mit Kräutern versorgt und schlossen sich augenblicklich. Eine Stunde später hat der Ethnologe gemeinsam mit dem jungen Mann ein Bier getrunken. Er hat keinerlei Schäden zurückbehalten und weiß nichts von seiner außergewöhnlichen Behandlung. Ob man der Geschichte glauben mag oder nicht, faszinierend ist sie allemal.

Einen prominenten Platz in dem kleinen Museum nimmt eine besondere Gestalt ein: Die afrikanische Mutter des Wassers Mami Wata, die die Kraft der Frauen und der Liebe repräsentiert. Ihr ist ein Altar mit 41 Figuren gewidmet, die aus heiligem Holz geschnitzt sind. Ihre Formen und ihre Namen mussten Priestern im Traum erscheinen, was insgesamt sechs Jahre lang dauerte. Bevor der Altar mit großem – auch finanziellem - Aufwand von wichtigen, eigens dafür eingeflogenen Voodoo-Priestern angeordnet und geweiht werden konnte, musste er, da Mami Wata Wassergöttin ist, in Begleitung zahlreicher Gläubigen zu den wichtigsten Flüssen in Deutschland gebracht werden.

Als aktiver Altar wird er tatsächlich von vielen Afrikanern, die in Deutschland leben, genutzt, was die vielen Geschenke zeigen, die Mami Wata zu Füßen gelegt werden. Neben Geld findet man dort vielerlei Gaben, von denen die Gläubigen meinen, sie könnten einer schönen Frau gefallen: Kosmetik, Süßigkeiten, Zigaretten und Fantaflaschen, die Afrikaner wegen ihrer leuchtenden Farbe faszinieren.

Ein Voodoo-Gläubiger aus Benin, der in Deutschland lebt, zieht jede Woche am Altar seine Lottozahlen – offensichtlich mit Erfolg. Er gewinnt zwar keine große Summen, dafür aber regelmäßig kleinere. Das ist auch gut so, da es Mami Wata nicht gefällt, wenn man Ihre Gunst überstrapaziert. Frauen mit echtem Perlenschmuck sollten in ihrer Nähe übrigens vorsichtig sein. Mami Wata mag es nämlich gar nicht, wenn sich Menschen Schätze des Wassers aneignen, ohne sie um Erlaubnis zu bitten. Bei Besucherinnen zerspringen vor ihrem Altar deshalb gerne schon mal Perlenketten.

Es gibt noch viele weitere spannende Geschichten über die einzigartige Sammlung zu erzählen, wie beispielsweise vom Zwillingsaltar, Hoodoo und Heilpflanzen, Totenkulten und Geheimgesellschaften oder der Diaspora der Sklaven in den USA. Deshalb sei jedem Interessierten die Führungen ans Herz gelegt, die Henning Christoph regelmäßig sonntags anbietet.

Bald zieht das Museum in ein altes RWE-Schalthaus in der Martinsstraße. Dort können auf 500 Quadratmetern auch die vielen Objekte ausgestellt werden, die derzeit noch ihr Dasein im Depot fristen. Eine Aula soll Platz für Veranstaltungen und Workshops bieten und auch ein afrikanischer Biergarten ist in Planung. Wir dürfen gespannt sein.

Weitere Informationen zum Soul Africa Museum

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