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ESSEN.
MITTENDRIN.

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider

Faire und ökologische Mode in Essen

Grüne Mode, da dachte man noch bis vor einigen Jahren an kratzige Pullis, und Kleider aus Jute. Dass dies sich geändert hat, ist der Verdienst vieler Labels und Ladenbetreiber, die sich der Produktion und dem Verkauf fairer und ökologisch nachhaltiger Mode verschrieben haben, die dennoch modisch und stylisch ist.

Wir alle kennen die Bilder der eingestürzten Bekleidungsfabriken in Bangladesh und wissen von den katastrophalen Arbeitsbedingungen südostasiatischer Arbeiterinnen und Arbeiter. Nicht nur Billigketten, auch hochpreisige Modelabels lassen ihre Ware in prekären Verhältnissen produzieren. Und nicht nur die ökonomischen, auch die ökologischen Folgen der herkömmlichen Modeproduktion sind verheerend. Pestizide, die beim Baumwollanbau eingesetzt werden und chemische Färbemittel schaden nachhaltig den Menschen, den Tieren und der Umwelt. Dennoch kaufen die meisten von uns keine oder nur wenig faire Kleidung. Der Marktanateil grüner Mode am Gesamtvolumen verkaufter Kleidung liegt gerade mal bei mageren 2 Prozent.

Green Fashion Tours

Essen ist in diesem Jahr Grüne Hauptstadt Europas. Grund genug, mal näher hinzuschauen, wie es in der Stadt um grüne Mode bestellt ist. Dies macht zum Beispiel die Designerin und Trendforscherin Dominique van de Pol, die Green Fashion Tours durch den Essener Süden anbietet. Neben einer inspirierenden Mischung nachhaltiger Läden von Green Fashion bis Second-Hand erwarten die TeilnehmerInnen interessante Infos und praktische Tipps zu alternativem Modekonsum und folgenden Trendthemen: Kleidertausch/Reparieren/DIY-Fashion & lokale Näh-Workshops/lokal produzierte Kleidung und Zero Waste.

Van den Pol ist der bewusste Umgang mit Mode wichtig. Die Entwicklung der sogennanten Fast Fashion der heutigen Zeit führt dazu, dass Mode immer kurzlebiger wird. Die Verbraucher kaufen immer mehr – meist billig - und tragen die Sachen nur kurz bis der nächste Trend auf dem Markt ist. Kleidung ist von den Gebrauchswaren, wie Tisch oder Computer mittlerweile zur Verbrauchsware, wie Kaffeebecher oder Taschentücher degradiert worden. Statt sie reparieren beziehungsweise ausbessern zu lassen oder bei "Nichtmehrgefallen" weiterzugeben, werfen wir sie einfach weg. Davon profitieren die Modelabels, die nicht mehr wie früher eine Sommer- und eine Winterkollektion herausbringen, sondern in immer kürzeren Abständen neue, modernere Looks propagieren.

Als Gegenpol zur "Stuffocation", dem Ersticken an zu vielen Dingen entsteht eine Bewegung, die auf Minimalismus und Achtsamkeit setzt. Van de Pol positioniert sich gegen die Wegwerfgesellschaft und plädiert dafür, mehr fair und ökologisch produzierte Mode zu kaufen, die vielleicht etwas teurer ist, aber deren Kauf die althergebrachte Infrastruktur nicht unterstützen. "Man muss lernen, sich zu beschränken", sagt sie. Ihr selbst fällt das nicht immer leicht. Fußgängerzonen mit den großen Warenhäusern meidet sie bewusst, um nicht in Kaufrausch zu verfallen, der den Verstand kurzfristig ausschaltet. "Kaufen ist zum politischen Akt geworden und zeugt nicht nur vom jeweiligen Geschmack sondern auch von einer bestimmten politischen Einstellung", sagt sie. Auch Upcycling, also die Umgestaltung von Vorhandenem, und das Tragen gebrauchter Vintage-Kleidung schaffen Nachhaltigkeit. Deshalb veranstaltet die Designerin regelmäßig Tauschpartys, bei denen jeder Klamotten mitbringt, die er nicht mehr trägt und die jemand anderen glücklich machen können. So muss sie auch auf den "heißgeliebten Rausch neuer Klamotten" nicht verzichten.

In Essen gibt es derzeit drei Concept Stores, die sich auf fair gehandelte und grüne Produkte oder auf Recyceltes spezialisiert haben. Das ist das "NATIVE SOULS" in der Innenstadt, das "cob" in Rüttenscheid und das "fairhavn" in Frohnhausen. Kleidung und Produkte, die hier angeboten werden, stammen von sogenannten "Green Labels". Das sind Marken, die beispielsweise von der Organisation "Global Organic Textile Standard" (GOTS) zertifiziert wurden und sich damit zu sozialen und ökologischen Richtlinien verpflichtet haben. Vom Baumwollfeld bis zum Kleiderbügel werden die Stücke transparent produziert, jeder Schritt lässt sich hinterher nachvollziehen. Zudem werden alle Betriebe regelmäßig kontrolliert, ob alle Standards eingehalten werden. Kleinere Labels können sich die Zertifizierung oft finanziell nicht leisten, bieten aber trotzdem grüne Mode an. Hier spielt das Vertrauen eine große Rolle, sagt Ange-Camea Robinson vom "cob". "Da Vertrauen und externe Kontrollen gut sind, eigene Kontrollen aber besser, sind wir jedes halbe Jahr selber vor Ort auf Sri Lanka und schauen uns alle beteiligten Firmen selber an", sagt Rebecca Kerkhoff vom "NATIVE SOULS". Ihr ist es auch wichtig, die Produzenten der angebotenen Produkte zu kennen. "Zu jedem Label habe ich ein Gesicht vor Augen", sagt sie.

NATIVE SOULS

Das "NATIVE SOULS" im III. Hagen gehört Daniel Schmitz und seiner Frau Rebecca Kerckhoff seit fünf Jahren. In Bochum haben sie seit sieben Jahren eine weitere Filiale. Beide waren vorher in gehobenen Positionen im konventionellen Textilhandel beschäftigt. Auf Reisen durch Südostasien, bei denen sie auch die Arbeitsbedingungen in den Fabriken vor Ort und die Umweltschäden in Augenschein genommen haben, wurde beiden klar, dass sie etwas ändern wollen. Sie haben sich daraufhin intensiv mit der Produktion von Konsumgütern auseinandergesetzt, ihr Leben radikal umgekrempelt und ökologisches und soziales Handeln zur Philosophie und Lebenseinstellung gemacht. In ihrem Laden führen Sie unter dem Motto "organic – fair – fashion" erschwingliche grüne Labels wie beispielsweise "Armed Angels", "KOI Kings of Indigo", "Knowledge Cotton Apparel" und "Nudie Jeans". Inzwischen haben die beiden auch Ihr eigenes Label "NATIVE SOULS" gegründet. Die Kleidung wird ausschließlich lokal in einer Fabrik in Sri Lanka produziert, die sie regelmäßig vor Ort besuchen. Überhaupt reisen die beiden viel und unterstützen viele internationale Hilfsprojekte durch persönlichen Einsatz und Spenden. Besonders am Herzen liegt Ihnen die Arbeit der DOG CARE CLINIC in Sri Lanka, die Straßenhunde vor Krankheit, Hunger und Misshandlungen schützt. Wer im Laden einkauft kann diese natürlich auch durch Spenden unterstützen.

fairhavn

Das "fairhavn" in Frohnhausen gehört der früheren Elektrotechnikerin Anja Mahnken. Hier findet man Waren, die fair gehandelt, vegan oder selbstgemacht sind. Der Essenerin ist nach einem Besuch in Nyamirima Village in Afrika klar geworden, dass viele Textilarbeiter und Produzenten exportierter Waren nicht von ihrem Lohn leben können. Danach hat sie sich mit dem Thema "Fairer Handel" auseinandergesetzt und sich mit ihrem Laden selbstständig und damit die Welt ein kleines Stück besser gemacht. Neben fair gehandelter Mode findet man hier auch Produkte kleiner regionaler Labels wie "Róka" aus Duisburg oder Upcycling-Schmuck von "Tanz auf Ruinen!" aus Dortmund. Farbenfrohe Körbe, Taschen oder Freundschaftsbändchen aus Nyamirima Village werden ebenfalls angeboten.

cob

Schönes, Tragbares und Faires finden Essenerinnen und Essener auch im Concept Store "cob" auf der Rüttenscheider Straße. Rund 95 Prozent der Kleidung und Produkte, die Meike Pfeiffer hier anbietet, stammen von sogenannten Green Labels und sind nach GOTS zertifiziert. Neben stylischer Mode findet man im "cob" außerdem alles rund ums Kind, Schmuck, Papeterie Artikel und allerlei ökologisches für den Haushalt wie Küchenartikel, die aus Bambus und Mais gefertigt sind oder Bienenwachstücher als Alternative zu Frischhaltefolie. Wer ein schönes Geschenk sucht, das ausgefallen und individuell ist, wird hier sicher fündig. Zeit zum Stöbern sollte man definitiv mitbringen.

Wie man sieht, ist es in der Grünen Hauptstadt Europas 2017 möglich, mit gutem Gewissen einzukaufen, auch wenn hier durchaus noch Luft nach oben ist. Letztlich ist jeder Verbraucher fähig, als kritischer Konsument den Trend voranzutreiben. Denn wenn die Nachfrage steigt, fühlen sich zukünftig immer mehr Textilproduzenten geneigt, transparent zu produzieren. Jeder von uns sollte sich die Frage stellen: "Wir grün und fair ist eigentlich mein Kleiderschrank und finde ich wirklich, dass Fast Fashion mir gut steht?"

je