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ESSEN.
MITTENDRIN.

Zweifach Sagohaft

Ein Abend mit Édith Piaf

Es ist Freitagabend in Rüttenscheid, in der Reginenstraße führt ein von Lichtern gesäumter Weg in einen Hinterhof. Wir sind zu Gast beim Duo Sago, dem Künstlerpaar Isabel Katharina Sandig und Ralf Gottesleben. In einer ehemaligen Backstube haben die beiden ein urgemütliches Theater im Bistro-Stil etabliert, das seinesgleichen sucht. Ohne Bühne, sondern mitten im Geschehen schaffen die beiden Künstler hier eine intensive und intime Atmosphäre.

Der heutige Abend steht mit dem Titel "Der Spatz von Paris" ganz im Zeichen der Grand Dame des Chanson Édith Piaf, die in diesem Jahr ihren hundertsten Geburtstag gefeiert hätte. Dabei verkörpert Sandig die Piaf und Gottesleben ihren Entdecker und Förderer Luis Leplée, die sich nach ihrem Tod ausgerechnet im Ruhrgebiet wiedertreffen. In teils hochkomischen aber auch zutiefst melancholischen Dialogen lassen die beiden ihre gemeinsame Zeit Revue passieren. Zwischen den szenischen Dialogen intoniert Sandig stimmgewaltig die großen Chansons der Piaf von "Non, je ne regrette rien" bis "Milord" und wird von Gottesleben alias Leplée am Klavier begleitet.

Im Laufe des Abends trinkt die Figur Piaf trotz der Mahnungen Leplées immer mehr Alkohol. Dabei kontrastiert die laute und ungestüm ausufernde Trunkenheit mit der Verletzlichkeit der Protagonistin genial verkörpert von Isabek K. Sandig. Sie zeigt köperlich-theatralisch sowie auch stimmlich, dass sie eine Frau der Widersprüche ist, die sowohl Abgründe als auch Höhenflüge kennt. Manchmal fällt sie in den Sprechgesang zurück, improvisiert oder hadert mit Leplée. Auch verpasst sie (gewollt) manche Ansätze und muss erneut den Weg in den Gesang wiederfinden. Schroff fordert sie mich in der Show auf, zu notieren, dass sie "ein armseliges Menschenkind" war, das auf der Straße lebte, bevor sie zur "Grande Édith" wurde. Das Dunkel bliebe deshalb immer ihr Zuhause.

Trotz der dem Stoff innewohnenden Tragik bietet die Show durchweg gute Unterhaltung auf hohem Niveau. Zudem verköstigen die Künstler ihr Publikum in der Pause mit einem liebevoll angerichteten Buffet, bestehend aus selbstgemachten Quiches, Salaten und Häppchen. Als wäre man zu Besuch bei Freunden. Une soirée réussie!

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